Burgenland-Weinstraße
Die Burgenland-Weinstraße: Österreichs Rotwein-Herzland, Blaufränkisch an seiner Quelle, die pannonischen Weinörter und Kombination mit dem Neusiedlersee.
Schloss Esterházy Ticket: In the Steps of Joseph Haydn
Auf einen Blick
- Region
- Burgenland, südöstlich von Wien
- Hauptsorten
- Blaufränkisch, Zweigelt, St. Laurent (Rote)
- Wichtige Orte
- Rust, Neckenmarkt, Deutschkreutz, Horitschon
- Beste Saison
- September–Oktober (Leithaberg-Ernte)
Österreichs Rotweinland
Das Burgenland produziert rund 70 % von Österreichs Rotwein — eine fast vollständige Umkehrung gegenüber der Wachau und dem Kamptal im Norden, die hauptsächlich Weißweinregionen sind. Der Unterschied liegt im Klima und der Geografie: Das Burgenland liegt am Ostrand der Alpen und öffnet sich zur weiten ungarischen Tiefebene (der pannonischen Steppe), die den Weinbergen heiße, trockene Sommer und lange Herbsthängezeiten bringt. Der Neusiedlersee — Österreichs größter See, flach und warm — reguliert die Temperaturen und fördert Botrytis (Edelfäule) für die Süßweinproduktion, speichert zugleich Wärme und gibt sie in den Herbstnächten ab, was die Vegetationsperiode verlängert. Das Ergebnis sind Bedingungen, unter denen Blaufränkisch, Zweigelt und St. Laurent Rotweine von Gewicht und Struktur liefern, die österreichische Weißweinregionen schlicht nicht replizieren können.
Die Burgenländische Weinstraße verläuft von der Nordküste des Neusiedlersees südwärts durch die Weinregionen Leithaberg, Mittelburgenland und Eisenberg — mehr als 150 Kilometer von Neusiedl am See bis zur slowenischen Grenze, durch eine Abfolge von Weinörtern, barocken Gutshöfen und offenen Kellern, was eine der lohnendsten Weinstrecken Österreichs ergibt.
Die wichtigsten Weinregionen
Leithaberg — der Höhenzug aus Kalkstein entlang dem Westufer des Neusiedlersees. Der Name bezieht sich auf den charakteristischen Leithabergkalk, der die Böden prägt: Weißkalk für die Weißen (Grüner Veltliner und Weißburgunder von echter Mineralik), schwererer Ton für die Roten. Blaufränkisch aus dem Leithaberg hat eine frische, mineralische Qualität, die ihn vom reicheren Mittelburgenland-Stil unterscheidet. Erzeuger, die man kennen sollte: Kollwentz in Großhöflein (eines der angesehensten Weingüter Österreichs, Rot und Weiß), Preisinger in Purbach (biodynamisch, hervorragender Blauburgunder), Wenzel in Rust (feiner Ruster Ausbruch und trockene Rote).
Mittelburgenland — das ist das Herzland des österreichischen Blaufränkisch, mit den Ortschaften Deutschkreutz, Neckenmarkt und Horitschon als Zentrum. Die warmen pannonischen Sommer bringen kraftvolle, strukturierte, vollmundige Rote aus alten Blaufränkisch-Reben — Weine, die bei Spitzenerzeugern zehn oder mehr Jahre lagerfähig sind. Weingut Gesellmann in Deutschkreutz, Weingut Paul Kerschbaum in Horitschon und Heinrich in Gols sind durchgängig exzellent. Die Landschaft hier ist flacher und landwirtschaftlicher als die Leithaberg-Hügel — weite Himmel, vereinzelte Gehöfte, Weinberge bis zum Horizont.
Eisenberg — die südlichste Burgenland-Weinregion, benannt nach dem Eisen (Eisen) in seinen vulkanischen Böden, das dem Blaufränkisch hier eine mineralische, fast herzhafte Qualität verleiht, die sich von allem aus dem Mittelburgenland oder dem Leithaberg unterscheidet. Die Produktion ist kleiner und die Güter international weniger bekannt, aber die Weine sind die Suche wert. Krutzler und Wachter-Wiesler gehören zu den Erzeugern, deren Namen in ernsthaften österreichischen Weingesprächen immer wieder auftauchen.
Die Weinstraße fahren
Ein strukturierter Weinstraßen-Tag ab Wien erfordert ein Auto — der öffentliche Nahverkehr erreicht die Hauptorte, nicht aber die einzelnen Keller. Eine logische Abfolge:
- Morgens: Eisenstadt und Schloss Esterházy (siehe Eisenstadt-Guide) — ein Barocke-Palast-Besuch mit Haydn-Bezug ist der beste Einstieg in einen Burgenland-Tag
- Mittags: Südfahrt durch Rust und Mörbisch am Westufer des Neusiedlersees — die Straße verläuft in einem schmalen Streifen zwischen Wasser und Weinbergen, mit Störchen auf den Dächern und Seeblicken durch das Schilf
- Nachmittags: Weiter südwärts nach Neckenmarkt oder Deutschkreutz für Weingutverkostungen — bitte vorher anrufen, da viele Weingüter nur nach Vereinbarung für Besucher offen sind
- Abendliche Rückkehr nach Wien: ungefähr 1 Stunde auf der A3
Die Esterházy-Palast-und-Haydn-Schritte-Tour eignet sich gut als morgendlicher Ankerpunkt in Eisenstadt, bevor die Weinörter am Nachmittag eigenständig mit dem Auto erkundet werden.
Rust und der Ruster Ausbruch
Die Weinstadt Rust am Westufer des Neusiedlersees ist Burgenlandes atmosphärischster Weinort. Der Hauptplatz ist von Bürgerhäusern umgeben, deren Besitzer das Recht haben, ihr eigenes Weinsiegel auszustellen — Rust erhielt 1681 das formelle Recht, sein Stadtsiegel auf Weinfässer zu setzen, eine der ältesten Bezeichnungen dieser Art in Europa. Mehrere Keller öffnen sich direkt zum Platz hin und verkaufen die Weine des Ortes unmittelbar an Besucher.
Der Prestigewein von Rust ist der Ruster Ausbruch — ein Süßwein aus botrytisbefallenen (edelfaulen) Trauben, stilistisch vergleichbar mit Tokaji Aszú aus dem ungarischen Nachbarland. Die warmen, nebeligen Herbstmorgen des Sees schaffen ideale Bedingungen für die Entwicklung von Botrytis auf den traditionell für Ausbruch verwendeten Sorten Welschriesling und Furmint. Die besten Exemplare sind Weine von außerordentlicher Komplexität — honigig, wachsartig, mit einer Säure, die sie trotz der Süße frisch hält. In den meisten Kellern neben Trockenrot- und -weißweinen erhältlich.
Die Störche sind der zweite Grund, Rust im Spätfrühling und Sommer zu besuchen. Die Stadt hat die höchste Dichte an Brutpaaren des Weißstorchs (Ciconia ciconia) in ganz Österreich — Nester auf Schornsteinen, Kirchtürmen und Dachfirsten im ganzen Ort. Im Mai und Juni sind die Jungstörche über den Nesträndern zu sehen. Im August bereiten sich die Jungstörche auf den Zug nach Afrika vor — Rusts Dächer fungieren kurzzeitig als Sammelplatz für einen der großen Vogelzüge Europas.
Wann besuchen
Die Erntezeit — Ende September bis Mitte Oktober — ist die atmosphärischste Zeit auf der Burgenländischen Weinstraße. Weinveranstaltungen und offene-Keller-Tage (Kellergassenfeste) beleben die Dörfer; der Geruch von gärendem Most strömt aus den Kellertüren; die Weintedrassen an den Leithaberg-Hängen wechseln von Grün zu Gold und Kupfer. Der offene Keller-Tag des Mittelburgenlands, der jährlich im Herbst stattfindet, gibt Zugang zu Dutzenden von Erzeugern, die sonst nur auf Voranmeldung besucht werden können.
Der Frühling (Mai–Juni) ist weniger überlaufen und hat seine eigenen Freuden: Die Störche nisten in Rust, das Schilf ist voller Vogelgesang, und die Weinberge sind grün statt Erntegold. Der Neusiedlersee ist in einem warmen Jahr ab Juni schwimmbar — eine Kombination aus Weinverkostungen, Seebaden und einem Morgenbesuch im Esterházy-Palast macht einen vollen, abwechslungsreichen Tag.
Der Sommer (Juli–August) ist heiß — oft sehr heiß — und die Weinberge zeigen ein tiefes Hochsaisongrün. Der See bei Rust und Podersdorf ist von österreichischen Urlaubern belebt. Der Weintourismus ist in dieser Zeit weniger kelterkürientiert; der Schwerpunkt verlagert sich auf Segeln, Radfahren und den Strand.