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Burgenland-Weinwochenende: zwei Tage in Österreichs bester Weinregion

Burgenland-Weinwochenende: zwei Tage in Österreichs bester Weinregion

Österreich produziert sehr guten Rotwein. Das ist keine kontroverse Aussage unter Weinprofis, wird aber in der englischsprachigen Reisewelt wenig berichtet, die Österreich als Grüner-Veltliner-und-Riesling-Land wahrnimmt und dabei stehen bleibt. Das Burgenland, die schmale östliche Provinz entlang des Neusiedlersees an der ungarischen Grenze, produziert Blaufränkisch, Zweigelt und Saint-Laurent im Rotweinsegment — und in den Händen der besten Produzenten im Eisenberg, Lutzmannsburg und Deutsch Schützen ist Blaufränkisch ein ernster Wein, der mit dem Alter erheblich gewinnt.

Ich reiste für zwei Tage Anfang September, was — erstaunlicherweise — einer der besten Momente ist: Die Ernte beginnt, die Weingärten verfärben sich, der See ist noch warm genug zum Baden, und die Augustmassen haben sich gelichtet.

Anreise

Zug ab Wien: S1 oder REX ab Wien Meidling oder Wien Hbf nach Eisenstadt (1 Stunde) oder Neusiedl am See (50 Minuten). Die ÖBB fährt regelmäßig. Eisenstadt, die Hauptstadt des Burgenlandes, ist die logische Basis.

Mit dem Auto: A3 ab Wien, 50 km, 40 Minuten. Ein Auto macht die Weinroute deutlich flexibler — viele der besten Kleinproduzenten liegen in Dörfern, die nicht häufig mit dem Zug bedient werden.

Tag 1: Eisenstadt und die Haydn-Verbindung

Schloss Esterházy (Esterházy Platz 1, Eisenstadt) — das Barockschloss der Familie Esterházy, einer der bedeutendsten Adelsdynastien Ungarns, die ihren Hof nach Eisenstadt verlegten, als Ungarn unter osmanischer Herrschaft stand. Das Schloss Esterházy: Auf den Spuren von Joseph Haydn-Ticket gibt Zugang zum Haydnsaal — dem Konzertsaal, in dem Joseph Haydn (Hofkomponist der Esterházys von 1761 bis 1790) 29 Jahre lang aufführte und dirigierte. Die Akustik im Haydnsaal ist außerordentlich — klein, holzvertäfelt, lebendig. Haydn komponierte die meisten seiner 104 Symphonien für Aufführungen in diesem Raum.

Haydns Haus: Das Haydngasse-Museum (Haydngasse 21) — das kleine Haus, in dem Haydn in Eisenstadt lebte. Zeitmöbel, Instrumente der Epoche, der Kompositionsraum. Bescheiden aber gut.

Mittagessen: Die burgenländische Restauranttradition ist stark von der ungarischen Küche beeinflusst — Pörkölt (Rindereintopf ähnlich Gulasch), Lángosch (die österreichische Variante des Lángos, hier ein burgenländisches Grundnahrungsmittel) und besonders den lokalen pannonischen Fisch aus dem Neusiedlersee: Zander, mit Dill und Rahm serviert. Das Restaurant Taubenkobel in Schützen am Gebirge (20 km von Eisenstadt) ist die Referenzadresse — österreichische Michelin-Küche mit Burgenländer Zutaten. Für etwas Einfacheres: die Weingutrestaurants entlang der Ruster-Ausbruch-Route östlich von Eisenstadt.

Nachmittag: Fahrt oder Zugfahrt nach Rust (30 Minuten östlich von Eisenstadt) — die Kleinstadt am Westufer des Neusiedlersees, berühmt für ihre Storchennester (Rust hat mehr Storchennester pro Kopf als fast überall sonst in Europa; im September sind die Störche abgereist, aber die Nester bleiben auf den Kaminen) und für Ruster Ausbruch, die für Rust einzigartige Dessertwein-Kategorie. Ruster Ausbruch wird aus botrytisierten (Edelfäule-)Trauben hergestellt, ähnlich wie Sauternes oder Tokaj in der Methode, spezifisch für das Ruster Mikroklima am See.

Durch die Altstadt spazieren, das Rathaus (das älteste ununterbrochen genutzte Rathaus Österreichs) besuchen und Ruster Ausbruch in den Kellern von Feiler-Artinger (Hauptstraße 3) oder Wenzel (Hauptstraße 19) verkosten.

Abend: Der Neusiedlersee bei Sonnenuntergang ist ein eigenartiges Spektakel — der See ist nie tiefer als 1,8 Meter und liegt auf einer flachen Ebene auf 115 Metern Seehöhe, sodass der Horizont riesig und der Himmel gewaltig ist. Die Schilfrohre (die ausgedehntesten in Mitteleuropa außerhalb des Donaudeltas) färben sich Anfang September braun. Abendessen in einem Heurigen in einem der Seeufer-Dörfer: Mörbisch oder Oggau für die ruhigsten Lagen.

Tag 2: Die Blaufränkisch-Dörfer

Die eigentliche Burgenländer Weinregion liegt nicht am See — sie liegt weiter südlich, in den Hügeln des Mittelburgenlands (rund um Deutschkreutz und Horitschon) und des Südburgenlands (rund um Eisenberg und Deutsch Schützen). Das sind 60–90 km südlich von Wien, mit dem Auto erreichbar, ohne brauchbare Zugverbindung.

Weingut Moric (im Lutzmannsburg-Gebiet) — Paul Achs’ Gut, eines der bedeutendsten im Mittelburgenland, produziert Blaufränkisch aus alten Reben, der 5–10 Jahre braucht, bevor er sich öffnet. Nicht immer für Laufkundschaft geöffnet; Vorabanmeldung unbedingt erforderlich.

Weingut Wachter-Wiesler (Deutsch Schützen, Südburgenland) — das Gut, das am meisten dazu beigetragen hat, Eisenberg als Appellation bekannt zu machen. Im September während der Ernte für Besuche geöffnet. Der Blaufränkisch Ried Eisenberg ist der Wein, der den Südburgenland-Fall beweist.

Die praktische Alternative: Die Halbtagestour Landwein ab Wien mit Mahlzeit deckt die Burgenländer Weingebiete mit Transport ab — die richtige Wahl, wenn man kein Auto mietet. Die Weintourismus-Infrastruktur im Südburgenland entwickelt sich noch; ein Guide, der die Produzenten kennt, spart erheblich Zeit.

Der Wein selbst

Blaufränkisch ist eine Rebsorte, die dunkle, tannische, strukturierte Rotweine mit hoher Säure produziert — vom Charakter eher dem Nebbiolo oder Sangiovese ähnlich als dem Cabernet Sauvignon. Junger Blaufränkisch ist oft streng; nach 7–10 Jahren öffnet er sich zu etwas Zwingenden. Die Terroirs des Eisenbergs und Lutzmannsburgs produzieren die komplexesten Beispiele.

Zweigelt ist die 1922 von Fritz Zweigelt geschaffene Kreuzung aus Blaufränkisch und Saint-Laurent. Es ist Österreichs meistgepflanzte Rotweinsorte — zugänglicher und fruchtiger als reiner Blaufränkisch, der Alltagsrotwein des Burgenlandes, gut zu den Schweine- und Wildgerichten der Region.

Weißweine: Das Burgenland produziert auch ausgezeichnete Weißweine — besonders Welschriesling und Chardonnay aus den Seeufer-Gebieten. Das Neusiedlersee-Mikroklima (Morgennebel vom See, warme trockene Nachmittage) schafft ideale Bedingungen für botrytisierte Dessertweine und konzentrierte Weißweine.

Logistik

Eisenstadt hat mehrere Hotels und Pensionen. Die Seeufer-Dörfer (Rust, Mörbisch) haben kleinere Gasthäuser. September ist nicht der touristenstärkste Monat — eine Woche im Voraus zu buchen reicht. Die Burgenländer Weinroute ist nicht für Massentourismus ausgebaut wie die Wachau; das ist Teil ihres Reizes.