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Wachau mit dem Fahrrad: ein Tagebuch durch Österreichs schönstes Tal

Wachau mit dem Fahrrad: ein Tagebuch durch Österreichs schönstes Tal

Der Wachau-Radweg (EuroVelo 6, lokale Bezeichnung Donauradweg) verläuft 36 km von Melk nach Krems am Südufer der Donau — größtenteils flach, durchgehend asphaltiert und durch eine der konzentriertesten Landschaftsschönheiten Mitteleuropas führend. Ich fuhr ihn im Juni über zwei Tage, übernachtete eine Nacht in Dürnstein, und denke seitdem immer wieder an die Marillenblüten (im Juni schon verblüht, aber die Bäume in den Obstgärten sichtbar), die Rieslingweinberge und die Burgruinen.

Anreise ab Wien

Zug ab Wien Hbf nach Melk: 1 Stunde 15 Minuten, 17 € einfach. ÖBB-Züge haben eigene Fahrradwagen; Fahrradplatz bei der Buchung reservieren (4 € Aufpreis, unbedingt erforderlich — die Züge füllen sich im Sommer). Fahrradverleih in Melk bei den Radwegbetreibern nahe dem Bahnhof verfügbar.

Rückreise: Mit dem Donauradweg nach Krems und dem ÖBB-Zug von Krems nach Wien Hbf (1 Stunde, 17 €). Oder einfache Strecke fahren und das DDSG-Donauschiff zurück von Krems nach Melk nehmen (1h45, 27 €, Fahrräder auf dem Schiff transportiert — bei der Buchung bestätigen).

Ich brachte mein eigenes Hybridfahrrad im Zug mit.

Tag 1: Melk nach Dürnstein (28 km)

Start: Melk, 9:00 Uhr.

Das Stift Melk dominiert die Stadt von seiner Hügelkuppe — aus 10 km Entfernung entlang der Donau sichtbar. Ich hatte es auf einer früheren Reise vom Schiff aus gesehen; auf dem Fahrrad auf Höhe des Flusses wird das Ausmaß fassbarer.

Ich verbrachte 90 Minuten im Stift, bevor ich losfuhr (Große Schlosstour, Bibliothek und Kirche, die Terrassenaussicht). Der Junivormittag war klar; von der Klosterterrasse ist die Donauschleife bei Melk perfekt komponiert — der Fluss biegt links in die Schlucht ab, das gegenüberliegende Ufer ist bewaldet, der Himmel spiegelt sich im Wasser.

Der Weg: Melks Radweg verlässt die Stadt via die Rollfähre (eine kleine Seilfähre über die Donau, handbetrieben, 3 €, unbedingt für das Südufer nötig) oder über die Brücke am westlichen Stadtende. Ich nahm die Rollfähre, weil sie da war und weil eine handbetriebene Seilfähre 2021 nicht oft vorkommt.

Der Süduferweg (die malerischere Route) folgt dem Fluss eng von Emmersdorf. Der erste Abschnitt (Emmersdorf bis Aggsbach Dorf, 12 km) führt durch Marillenobstgärten — die Bäume hatten im Juni schon verblüht, aber die Frucht setzte sich an, und die Obstgartenlandschaft zwischen dem Weg und den Klippen darüber ist genau das, was die Fotos nicht ganz einfangen.

Schloss Schönbühel erscheint bei km 8 — auf einem Fels über dem Fluss, mittelalterlich und überraschend gut erhalten. Privat, nicht für Besucher zugänglich, aber von der Wasserebene klar sichtbar.

Mittagsstopp: Aggsbach Dorf (Gasthof zum Goldenen Kreuz) — Forellen (Forellen aus dem Donau-Nebenfluss, einfach in Butter und Zitrone gegrillt), ein Glas Federspiel Grüner Veltliner vom lokalen Winzer. 20 € für das Essen.

Burgruine Aggstein erscheint bei km 15 — hoch über dem rechten Ufer auf einer Klippe, die die Festung sowohl uneinnehmbar als auch selbstmörderisch zum Bewohnen aussehen lässt. Die Aggstein war im 11. Jahrhundert eine Feste, die mit einem österreichischen Raubritterclan verbunden war; sie verfiel nach dem 15. Jahrhundert und bietet nun die dramatischste Ruinensilhouette der Wachau. Der Weg darunter führt durch den engsten Teil der Schlucht.

Dürnstein bei km 28. Das Dorf — blauer Kirchturm, terrassierte Weinberge darüber, die Donau darunter, die Burgruine auf dem Hügel (König Richard Löwenherz’ Gefängnis, 1192–1193) — ist die konzentrierteste visuelle Information der Wachau. Vom Flussufer zur Burgruine zu Fuß sind es ca. 20 Minuten; der Blick von der Ruine über das Tal ist ausgezeichnet.

Ich übernachtete im Gasthof Sänger Blondel (Hauptstraße 64, benannt nach Richards Minnesänger, der ihn der Legende nach in der Burg fand, indem er ein gemeinsames Lied sang) — schlicht, freundlich, ausgezeichnete lokale Weinkarte, 75 € pro Nacht für ein Doppelzimmer mit Frühstück.

Abendessen im Restaurant Sänger Blondel: Wachauer Marillenknödel (Marillenknödel in Semmelbröseln — das Signature-Dessert der Wachau), nach dem obligatorischen Marillenknödel billiardkugelgroß und in Semmelbröseln schwimmend. Dazu ein Dürnsteiner Riesling Smaragd aus dem Gutswein, die höchste Klassifikation.

Tag 2: Dürnstein nach Krems (8 km) und Weinprobe

Start: 9:30 Uhr (nach dem Frühstück).

Die 8 km von Dürnstein nach Krems sind der kürzeste und flachste Abschnitt des Weges. Die Reben drängen bis an den Wegrand; die Donau ist breit und ruhig; die Kremser Kirchtürme erscheinen am Horizont.

Krems ist größer als die anderen Wachauer Orte — eine Universitätsstadt (Donau-Universität Krems), ein Weinzentrum (die Winzergenossenschaft Krems ist hier) und eine gute Altstadt mit Architektur aus dem 12.–15. Jahrhundert. Das Weinstadt Museum Krems (Körnermarktplatz 14) behandelt die Geschichte des Wachauer Weins seit der Römerzeit. Die Kremser Gozzoburg (13. Jahrhundert, das größte weltliche mittelalterliche Gebäude in Österreich) ist für Besucher zugänglich.

Weinprobe: Die Wachau-Weintastingtages-tour ab Wien deckt die Weinklassifikation und Weingutbesuche ausführlich ab — besserer Kontext als selbstgeführt für Wachau-Weinneulinge. Für die Kremser Genossenschaft (Winzergenossenschaft Krems, Sandgrube 13): montags bis samstags für Kostproben geöffnet, kostenlose Verkostung von drei Weinen.

Ich kostete einen Federspiel Grüner Veltliner (frisch, pfeffrig, unmittelbar), einen Smaragd Riesling (reicher, mineralisch, würde 10 Jahre reifen) und einen Riesling Steinfeder (der leichteste, für den Heurigengarten im Sommer). Der Smaragd ist das, wofür die Wachau international bekannt ist; der Federspiel ist das, was die Einheimischen unter der Woche trinken.

Rückreise nach Wien: ÖBB-Zug von Krems nach Wien Franz-Josefs-Bahnhof (nicht Wien Hbf) — 1 Stunde, 17 €. Das Fahrrad kommt in den Fahrradwagen; den Platz beim Kauf des Tickets reservieren.

Praktische Hinweise für die Wachau-Radtour

Route: 36 km Melk–Krems. Durchgehend flach und asphaltiert. An einem Tag machbar (4–5 Stunden Radfahren) oder an zwei Tagen (bequemer, mehr Wein).

Fahrradverleih: In Melk, Krems und Spitz bei Radwegbetreibern verfügbar. In Juni–August im Voraus reservieren.

Beste Monate: April (Marillenblüte, unberechenbares Timing), Juni (grün, warm), September–Oktober (goldene Ernte, Weinlese).

Juli–August: Heiß und überfüllt. Der Weg ist bei deutschen und österreichischen Radtouristen beliebt; die Mittagstemperaturen können 35 °C überschreiten. Sehr frühes Losfahren (7:00 Uhr) empfohlen.


Die Bootsfahrt von Melk nach Krems deckt denselben Flussabschnitt komfortabel ab, ohne Pedalarbeit. Die Wachau-Melk-Kreuzfahrttour-Rezension behandelt diese Option.