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Die Sachertorte-Pilgerreise: Sacher vs. Demel – wer gewinnt wirklich?

Die Sachertorte-Pilgerreise: Sacher vs. Demel – wer gewinnt wirklich?

Franz Sacher erfand die Sachertorte 1832. Er war sechzehn Jahre alt, arbeitete als Lehrling in der Küche von Fürst Metternich, und der Chefkoch war an einem Abend krank, an dem Metternich Gäste erwartete. Das Ergebnis — ein dichter Schokoladenkuchen mit Marillenmarmelade unter der dunklen Glasur — war kein sofortiger Erfolg, aber er blieb. Was Sacher wohl nicht ahnte, war, dass seine Erfindung zum Gegenstand eines siebenjährigen österreichischen Rechtsstreits werden und dass Besucher 190 Jahre später noch immer nach Wien kommen würden, um ihn persönlich zu beurteilen.

Ich aß die Sachertorte im Hotel Sacher, dann im Café Demel, dann in drei weiteren Etablissements, die Ansprüche auf den Streit erhoben. Ich habe Meinungen.

Die Rechtsgeschichte, kurz zusammengefasst

Franz Sachers Sohn Eduard arbeitete schließlich bei Demel und verfeinerte das Rezept dort. Später eröffnete er das Hotel Sacher. Beide Häuser beanspruchten das Originalrezept. 1954 klagte Demel das Hotel Sacher auf das Recht, seine Version „die Original Sacher-Torte” nennen zu dürfen. Der Österreichische Oberste Gerichtshof entschied 1961 zugunsten des Hotel Sacher: Nur das Hotel Sacher darf seine Torte „Original Sacher-Torte” nennen. Demel muss seine Version „Eduard Sacher-Torte” nennen.

Der praktische Unterschied: Das Hotel Sacher legt die Schicht Marillenmarmelade sowohl in die Mitte des Kuchens als auch unter die Glasur; Demel legt sie nur unter die Glasur. Die Sachertorte ist dichter. Die Demel-Version ist glatter. Beide sind ausgezeichnet. Der Unterschied, wenn man beide probiert hat, ist keine Frage von Original versus Kopie — es ist eine Frage des persönlichen Geschmacks.

Hotel Sacher: das Erlebnis

Das Café des Hotel Sacher (Philharmonikerstraße 4, direkt hinter der Wiener Staatsoper) ist belebt. Es ist teuer — 8–9 € für eine Scheibe Original Sacher-Torte plus Schlagobers (separat serviert). Das Zimmer ist Rotsamt und dunkles Holz, und an Wochenenden gibt es stets eine Warteschlange.

Der Kuchen selbst ist genau das, was er sein sollte: Die Schokoladenglasur ist dunkel und leicht bitter, die Marillenmarmelade sorgt für die notwendige Säure darunter, und der Kuchen selbst ist so dicht, dass er das Schlagobers braucht. Die Portion ist angemessen — weder knauserig noch übertrieben.

Die Original Sacher-Torte trägt ein dreieckiges Schokoladesiegel mit der Aufschrift „Original Sacher-Torte Wien”. Das ist der Punkt. Das Siegel existiert, weil das Gerichtsurteil es vorschrieb. Die Torte im Hotel Sacher zu essen bedeutet, das juristisch beglaubigte Original zu essen — eine seltsame Erfahrung, aber keine bedeutungslose.

Café Demel: der Rivale

Das Café Demel (Kohlmarkt 14) ist die k.u.k. Hofzuckerbäckerei — gegründet 1786, Lieferant des Habsburger Hofes, noch immer an derselben Adresse in der vornehmsten Einkaufsstraße Wiens. Das Intérieur ist aufwändiger als das Hotel Sacher: das Schaufenster mit handgefertigten Zuckerskulpturen, die langen Vitrinen mit Marzipan, Sachertorte und Dobostorte, der Blick von den Tischen in die offene Küche, wo die Konditorinnen in Weiß arbeiten.

Die Eduard Sacher-Torte bei Demel kostet 7,50–8 € pro Stück. Sie ist glatter als die Hotel-Sacher-Version — die Marillenmarmeladeschicht ist gleichmäßiger unter der Glasur verteilt, die Schokolade ist etwas weniger bitter, der Gesamteindruck eleganter. Wählt man nach Textur allein, gewinnt Demel. Wählt man nach historischem Drama, gewinnt das Hotel Sacher.

Was Demel zusätzlich verkauft und das Hotel Sacher nicht bietet: die gesamte Palette der Wiener Mehlspeisen — den Apfelstrudel (ausgezeichnet), den Kaiserschmarrn (nur zu bestimmten Zeiten), den Punschkrapfen (eine rumgetränkte, pinkglasierte Phantasie aus Gebäck) und die Saisonkuchen ohne Entsprechung anderswo.

Wer gewinnt?

Das ist keine Frage mit einer richtigen Antwort. Das Hotel Sacher gewinnt aus rechtlichen Gründen und bei der Schokoladenintensität. Demel gewinnt in Eleganz, breiterem Angebot und beim Gesamterlebnis der Konditorei. Beide sind erheblich besser als die Sachertorte, die am Flughafen, in Touristencafés auf der Kärntner Straße oder in den vakuumverpackten Holzschachteln verkauft wird, die die Souvenirläden nahe dem Stephansdom füllen.

Meine ehrliche Position: beide probieren. Sie kosten dasselbe (je 8 €, plus Kaffee). Zuerst ins Hotel Sacher gehen, für die Original mit ihrem Schokoladesiegel. Danach zu Demel für die Eduard Sacher-Torte und das Schaufensterbummel. Der Vergleich ist der Sinn.

Die Touristencafé-Versionen, die man meiden sollte

Auf der Kärntner Straße, in den touristenorientierten Restaurants rund um den Stephansplatz und in den Hotelfrühstücksräumen der meisten internationalen Ketten stößt man auf Sachertorte, die im Grunde Schokoladenkuchen mit Marmelade obendrauf ist. Das ist nicht die Sachertorte. Die Glasur sollte dunkle, bittere Schokolade sein; die Marmelade sollte Marille sein; der Kuchen sollte dicht sein, ohne trocken zu werden. Die Touristenversionen versagen bei mindestens einem dieser Kriterien.

Die Sacher- und Demel-Versionen aus den jeweiligen Geschäften und online (in den offiziellen Holzschachteln mit den Haussiegeln) sind authentisch. Alles andere ist Nachahmung von unbekannter Qualität.

Wo man Sachertorte ohne den Aufpreis isst

Das Hotel Sacher und das Café Demel sind die richtigen Adressen, aber nicht billig. Für gute Sachertorte zu günstigerem Preis: Café Landtmann (Dr.-Karl-Lueger-Ring 4) — das angesehenste Café am Ring, hausgemachte Sachertorte, 6,50 €. Café Schwarzenberg — gute Version mit geringerem Touristenaufschlag. Bäckerei Joseph (Naschmarkt) — eine Bäckerei, kein Café, aber die hier verkaufte Sachertorte für 4,50 € pro Stück ist sehr gut.

Die Wien-Tour mit typisch österreichischer Küche und Kaffeehausbesuch behandelt die Kaffeehauskultur und das Wiener Gebäck sachgerecht — einschließlich der Unterschiede zwischen dem Echten und den Touristenversionen.


Das Urteil nach einer Pilgerreise durch fünf Kuchen: Hotel Sacher für das rechtliche Prahlrecht und die Schokoladenintensität. Café Demel für die Eleganz und das bessere Geschäft. Beide für den Streit. Und keiner der Kuchen in den Holzschachteln der Souvenirläden — die sind teuer, mittelmäßig und werden die Erinnerung nur trüben.