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Herbst in der Wachau: das Tal von seiner schönsten Seite

Herbst in der Wachau: das Tal von seiner schönsten Seite

Die Wachau im Sommer ist schön und überfüllt. Die Wachau im Oktober ist schön und nahezu leer. Das ist die grundlegende Tatsache zur saisonalen Frage in diesem Donauabschnitt.

Die Wachau ist ein 36 Kilometer langer Donaudurchbruch zwischen Melk und Krems, der durch das Granitische Böhmische Massiv gegraben wurde. Die Terrassenweingärten auf den steilen südexponierten Hängen produzieren Grüner Veltliner und Riesling von Weltklassequalität. Marillenobstgärten — die Wachauer Marille ist eine geschützte geografische Angabe — stehen zwischen den Reben. Mittelalterliche Dörfer (Weissenkirchen, Spitz, Dürnstein) strukturieren die Talsohle. Im Oktober färbt sich alles gleichzeitig golden und bernsteinfarben, die Ernte beginnt oder endet je nach Jahr, und die Touristenboote haben ihren Betrieb weitgehend eingestellt.

Anreise in die Wachau

Mit dem Zug: Von Wien Westbahnhof nach Melk (75 Minuten, direkt mit REX oder ÖBB); von Wien Franz-Josefs-Bahnhof nach Krems (1 Stunde). Die klassische Route: Melk hinein, Krems heraus (oder umgekehrt) — im Sommer mit dem Boot durch das Tal, im Herbst mit dem Zug.

Mit dem Boot: Die DDSG-Blue-Danube-Boote verkehren von April bis Oktober auf der Strecke Krems–Melk und zurück — im frühen Oktober fahren einige Abgänge noch, aber der Fahrplan ist gegenüber der Sommerhäufigkeit reduziert. Aktuellen Oktober-Fahrplan unter ddsg-blue-danube.at prüfen. 2024 fuhren Boote bis Mitte Oktober.

Per Tour: Der Wachau- und Stift-Melk-Tagesausflug ab Wien läuft bis Oktober und übernimmt die gesamte Logistik — Bus hin, Bootsetappe auf der Donau, Rückfahrt nach Wien. Das ist die unkomplizierteste Option und erspart die Zugverbindungsprobleme.

Stift Melk: das Kloster, das die Reise rechtfertigt

Stift Melk (Abt-Berthold-Dietmayr-Straße 1) steht auf einem Granitfelsen über der Donau, von 10 Kilometern in beiden Richtungen sichtbar. Das heutige Barockgebäude (1702–1736) ersetzte ein mittelalterliches Kloster am gleichen Standort. Das Intérieur — die Bibliothek, die Kirche, die kaiserlichen Räume — gehört zu den feinsten Barockensembles Mitteleuropas.

Im Oktober: Das Stift im Herbstlicht (der südexponierte Felsen fängt die tiefe Oktoberonne anders als im Sommer) ist die fotogenste Version von Melk. Der Fluss darunter spiegelt die vergilbenden Pappeln und Weiden. Reisegruppen sind vorhanden, an Wochentagen morgens aber vertretbar.

Die Bibliothek: 100.000 Bände, viele illuminierte Handschriften. Nicht alle für Einzelbesucher zugänglich, aber der Raum selbst — gewölbt, freskierte Decke, dunkle Holzregale — ist der schönste Bibliotheksraum, den ich außerhalb von Coimbra gesehen habe.

Praktisch: Eintritt 16 €. Geöffnet 09:00–17:30 (letzter Einlass 16:30) im Oktober. Garten separat oder kombiniert. Der Garten ist im Oktober außerordentlich — das formale Parterre mit Herbstfarben, Blick nach Norden auf die Donau.

Das Tal: Dürnstein und die Weingärten

Dürnstein ist das visuell vollkommenste Dorf der Wachau — die Burgruine (Kuenringerburg) über dem Ort, der blau-weiße Turm der Augustinerkirche, die Terrassenweingärten dahinter. Hier wurde Richard Löwenherz 1192–1193 von Herzog Leopold V. von Österreich gefangen gehalten, nach einem Streit während des Dritten Kreuzzugs. Der Troubadour Blondel fand ihn der Legende nach, indem er durch das Tal wanderte und Lieder sang, die nur Richard kannte. Die Burgruine (kostenlos, 30 Minuten Aufstieg) bietet das beste Wachau-Panorama — das gesamte Tal in beide Richtungen.

Die Weinlese: Oktober ist das Ende der Wachauer Ernte — später als die meisten österreichischen Regionen, weil die Wachauer Rieslinge für maximale Reife spät gelesen werden. Die spezifischen Kategorien des Wachauer Weins: Steinfeder (der leichteste, alltäglichste), Federspiel (mittelschwer, benannt nach dem Falknerlockstock), Smaragd (der reichste, benannt nach der smaragdgrünen Eidechse, die auf warmen Steinen sonnt — den Steinen, die die Sommerwärme bis in den Herbst speichern). Smaragd-Riesling und Grüner Veltliner sind das, wofür die Wachau international bekannt ist.

Wo verkosten: Die Domäne Wachau Genossenschaft in Dürnstein — der größte Einzelproduzent des Tals, 450 Hektar Mitgliederweingärten, produziert alle drei Kategorien und ist für Verkostungen geöffnet. Im Oktober ist der Verkostungsraum in Erntemodus und lebendig.

Für etwas Kleineres: Weingut Knoll (in Unterloiben, nahe Krems) — eines der großen privaten Wachauer Güter, Smaragd-Rieslinge, die wunderbar reifen. Im Erntesaison nach Vereinbarung geöffnet.

Krems: die Weinstadt am östlichen Ende

Krems an der Donau am östlichen Ende der Wachauschlucht ist eine richtige Kleinstadt (24.000 Einwohner) mit einer mittelalterlichen Altstadt, einer Weinschule und einer Konzentration zeitgenössischer Kunst, die Besucher überrascht, die nur historische Architektur erwarten.

Die Kunsthalle Krems (Franz-Zeller-Platz 3) — ein bedeutender zeitgenössischer Kunstraum in einer umgebauten Tabakfabrik. Das Programm im Oktober ist typischerweise die Herbstausstellung, oft mit österreichischen und mitteleuropäischen Gegenwartskünstlern.

Stadtpfarrkirche St. Veit — die Pfarrkirche mit der blau-weißen Fliesenfassade, die den Dürnsteiner Kirchturm widerspiegelt. Krems hat eine besondere barocke Stadtansicht; der Kremser Schmidt (Martin Johann Schmidt, der Maler des 18. Jahrhunderts) ist mit dieser Stadt verbunden und sein Werk hängt in Kirchen der gesamten Wachau.

Abendessen in Krems: Das Restaurant Jell (Hoher Markt 8–9) für regionale Wachauer Küche und eine Weinkarte mit Fokus auf lokalen Produzenten. Der Gasthof Alter Klosterkeller für etwas Ungezwungeneres. Im Oktober gibt es lokale Donauforellen, Wild aus den umliegenden Wäldern und Pilzgerichte (Eierschwammerl, der goldene Pfifferling, ist Anfang Oktober am Ende seiner Saison).

Die Wachau im Herbst: die ehrliche Einschätzung

Die Herbst-Wachau ist der Sommer-Wachau aus drei Gründen überlegen: die Farben (Oktobernes Gold der Weingärten und Pappelalleen), die Besucherzahlen (30–40 % des Augusts) und der Wein (man ist zum Moment der Entstehung hier). Das Boot fährt weniger zuverlässig, was ein echter Kompromiss ist — der Bootsblick auf die Schlucht ist anders als der Zugblick. Aber der Zug durch das Tal ist ebenfalls schön, besonders die rechtuferige Strecke zwischen Krems und Melk.

Die Wachau-Tagestour mit Weinverkostung ab Wien läuft bis Oktober und beinhaltet einen Weingutbesuch — der spezifische Ernteperspektive macht diese Tour im Oktober besser als in jedem anderen Monat.