Der Klimt-Pfad in Wien: dem Maler durch seine Stadt folgen
Gustav Klimt (1862–1918) ist der bekannteste mit Wien verbundene Maler, aber seine Beziehung zur Stadt war kompliziert. Er wurde in Baumgarten (heute 14. Bezirk) geboren, wuchs in Armut auf, studierte an der Wiener Kunstgewerbeschule und verbrachte seine gesamte Karriere in einer Stadt, die ihn abwechselnd feierte und skandalisierte. Seine Arbeit wurde vom Senat der Universität Wien als pornografisch bezeichnet; seine drei Universitätsgemälde wurden vom österreichischen Unterrichtsministerium verurteilt. Er lehrte nie, hatte keine akademische Stellung, lehnte Staatsehren ab. Er lebte mit zwölf Katzen, soll 14 Kinder gezeugt haben, ging täglich zu Fuß in sein Atelier und starb im Februar 1918 an einem Schlaganfall, nachdem er über seine eigene Arbeit nahezu nichts Zitierbares gesagt hatte.
Seine Gemälde sind in Wien. Hier sind sie zu finden.
Das Belvedere: die unverzichtbare Adresse
Das Obere Belvedere (Prinz-Eugen-Straße 27, 3. Bezirk) hat die bedeutendste Klimt-Sammlung der Welt. Der Kuss (1908), Judith I (1901) und sieben weitere Hauptwerke befinden sich in der Dauerausstellung.
Ich kam um 9:05 Uhr an einem Dienstag im Juni an, vor den Reisebussen. Der Raum mit „Der Kuss” (Raum 8, erstes Stockwerk) hatte zwei weitere Besucher. Das ist wichtig, weil „Der Kuss” — 180 × 180 cm, Öl und Blattgold — ein Gemälde ist, das Betrachtung ohne Konkurrenz um Raum belohnt. Das Blattgold-Muster (das Kostüm des Mannes in geometrischen Quadraten, das der Frau in runden Blumenformen — eine Geschlechterdistinktion in die Oberflächentextur kodiert) braucht mehrere Minuten, um richtig gesehen zu werden. Der Felsrand, auf dem die beiden Figuren scheinbar balancieren. Der leicht zur Seite gewandte Kopf der Frau, der entweder Wonne oder Zurückhaltung andeutet. Die Art, wie das Gold dominiert und die Gesichter und Hände die einzigen naturalistischen Elemente sind.
Die Wien: Belvedere und das Beste von Gustav Klimt — private Tour gibt der Klimt-Sammlung des Belvedere die Tiefe, die sie verdient — der private Guide erklärt die Symbolik in Judith I (die jüdische Witwe, die den assyrischen General Holofernes verführt und enthauptet, hier im erotischen Schleier der Nachricht gezeigt, der abgetrennte Kopf am Bildrand sichtbar), die Beziehung zwischen Klimts Goldener Periode und den byzantinischen Mosaiken, die er in Ravenna studierte.
Eintritt: Online-Buchung für ein Zeitfenster ist sinnvoll. Die Belvedere-Klimt-Tour-Rezension für die Optionen konsultieren.
Das Secessions-Gebäude: das Gründungsmanifest
Das Secessions-Gebäude (Friedrichstraße 12, 1. Bezirk) wurde 1897 für Klimts Gruppe von Künstlern erbaut, die sich vom konservativen Wiener Künstlerhaus abspalteten — die Wiener Secession, die den Jugendstil in Österreich begründete. Die goldene Lorbeer-Kuppel (der „goldene Krautkopf”, wie die Wiener ihn liebevoll nannten), die Inschrift über der Tür (Der Zeit ihre Kunst, der Kunst ihre Freiheit).
Der Beethovenfries im Untergeschoss ist Klimts wichtigstes erhaltenes Dekorationswerk — 34 Meter Fries, 1902 als Reaktion auf Beethovens Neunte Symphonie gemalt. Die Tafeln: „Die Sehnsucht nach Glück” (schwebende weibliche Figuren, nagender Wurm, Gorgonen), „Die feindlichen Gewalten” (der Ritter in goldener Rüstung kämpft gegen den Typhon-Monster), „Der Chor der Paradiesengel” (Figuren im Blattgold-Stil, der sein späteres Werk prägen sollte). Eintritt 6,50 €; der Fries allein rechtfertigt ihn.
Das Kunsthistorische Museum: das Frühwerk
Das Kunsthistorische Museum (Maria-Theresien-Platz, 1. Bezirk) hat Klimts frühes Dekorationswerk buchstäblich an seinen Wänden. Die Deckenfelder und Zwickelgemälde im großen Stiegenhaus (1890–1891) stammen vom jungen Klimt und seinem Atelier, für die Eröffnung des KHM in Auftrag gegeben. Sie zeigen ägyptische, griechische und römische Kunst durch allegorische weibliche Figuren — der akademische Stil, den die Secession bald ablehnen würde, aber in sich selbst kompetent und interessant.
Die Stiegenhaus-Decke beim Betreten des Museums in Augenschein nehmen. Die von Klimt gemalten Abschnitte sind auf der rechten Seite des Hauptstiegenhauses (die einzelnen Felder für den entstehenden Signaturstil betrachten).
Das Burgtheater: die verlorenen Friese
Das Burgtheater (Dr.-Karl-Lueger-Ring 2, 1. Bezirk) hat Klimt-Deckengemälde im großen Stiegenhaus — das Shakespeare-Theater in London (mit Porträts der ersten Globus-Zuschauer, einschließlich Shakespeare selbst), der Altar des Dionysos und das antike griechische Theater in Taormina. Diese wurden 1886–1888 in Auftrag gegeben, als Klimt noch in der akademischen Tradition arbeitete. Eintritt zum Burgtheater für geführte Touren schließt das Stiegenhaus ein.
Was verloren ging: Klimts drei Universitätsgemälde — Philosophie, Medizin und Jurisprudenz — waren die ehrgeizigstem und umstrittensten Werke seiner Karriere (1900–1907). Alle drei wurden durch Brand auf Schloss Immendorf im Mai 1945 zerstört, als sich zurückziehende SS-Truppen das Schloss anzündeten, wo sie vor alliierten Bomben in Sicherheit gebracht worden waren. Was bleibt: historische Fotografien, Vorzeichnungen. Der Verlust ist eine der großen Kulturkatastrophen des 20. Jahrhunderts.
Was Wien von Klimt bewahrt
Über die Hauptwerke hinaus: das Leopold Museum (MuseumsQuartier, 7. Bezirk) hat Klimt-Zeichnungen und -Studien in seiner Sammlung neben der weltweit größten Schiele-Sammlung. Das Wien Museum (Karlsplatz 8) hat Klimts Porträt der Sonja Knips (1898) — eines seiner feinsten frühen Werke, das schillernde Kleid andeutet bereits die Richtung, die er einschlagen würde.
Die Klimt-Villa (Feldmühlgasse 11, 13. Bezirk) — das Atelierhaus in Hietzing, wo Klimt von 1911 bis zu seinem Tod arbeitete. In den wärmeren Monaten Dienstag–Sonntag für Besucher geöffnet. Der Gartenstudio ist intakt; die Zeichentische, das Material für seine Collagenarbeiten, der Modellständer. Ein Ort, wo Werk entstand statt bewundert wurde.
Wien bewahrt Klimts wichtigstes Werk, aber was es nicht bewahrt — die Universitätsgemälde, die Zeichnungen, die er im letzten Jahrzehnt machte und beiläufig verteilte — erinnert daran, dass das Archiv eines Künstlerlebens immer unvollständig ist, immer ein Aushandeln zwischen dem, was überlebte, und dem, was die Welt zu bewahren entschied. Das Belvedere und die Secession sind die wesentlichen Adressen. Was an diesen Wänden hängt, ist das, was geblieben ist.