Wien auf dem Strauss-Pfad: auf den Spuren des Walzerkönigs
Johann Strauß II (1825–1899) komponierte über 500 Walzer, Polkas und andere Tanzstücke. An der schönen blauen Donau (1866), der Kaiser-Walzer (1889), Geschichten aus dem Wienerwald (1868), der Radetzkymarsch (das war sein Vater, Strauß I). Er war Hofballdirektor der habsburgischen Kaiserfamilie, spielte Geige und dirigierte gleichzeitig — manchmal beides zugleich — und verwandelte den Walzer von einem zwielichtigen Tanz der unteren Klassen in die soziale Währung des kaiserlichen Wiens.
Sein Bild ist überall in Wien. Die vergoldete Bronzestatue im Stadtpark (das meistfotografierte Denkmal in Wien, wahrscheinlich mehr fotografiert als der Stephansdom) zeigt ihn beim Dirigieren, Geige in der Hand, der Bogen goldener Äste dahinter. Die Selfie-Schlange ist im Sommer beträchtlich.
Hier ist, was wirklich einen Besuch lohnt.
Das Stadtpark-Denkmal: der obligatorische Ausgangspunkt
Das Stadtpark-Strauss-Denkmal (entworfen von Edmund Hellmer, enthüllt 1921) liegt im mittleren Bereich des Stadtparks, fünf Gehminuten vom U-Bahnhof Stadtpark (U4). Die vergoldete Version — die Bronze wurde in den 1930er Jahren vergoldet — steht in einem gebogenen weißen Marmorrahmen. Es ist zweifellos schön.
Der Stadtpark selbst (1862 angelegt, der erste öffentliche Park Wiens, der allen Bürgern statt nur dem Adel zugänglich war) enthält Denkmäler für mehrere Komponisten: Franz Schubert, Anton Bruckner, Franz Lehár, Robert Stolz und Carl Zeller sind alle innerhalb von 200 Metern vom Strauss-Denkmal. Es ist eine eigentümliche Konzentration von Musikdenkmälern, die einen langsamen Spaziergang lohnt.
Ehrliche Anmerkung zum Denkmal: Sein Ruhm übersteigt etwas seine Bedeutung. Es gibt bessere Strauss-Orte in Wien. Das Denkmal ist ein spätes und kommerziell motiviertes Monument — Strauß selbst ist auf dem Zentralfriedhof begraben, nicht durch etwas geehrt, das er selbst mitbestimmt hätte.
Der Kursalon: wo die Blaue Donau dirigiert wurde
Der Kursalon Wien (Johannesgasse 33, 1. Bezirk, am Rande des Stadtparks) ist der Konzertpavillon, in dem Strauß II von seiner Eröffnung 1867 an regelmäßig auftrat. Das Gebäude — Neorenaissance, entworfen von Johann Garben — beherbergte sein Orchester im späten 19. Jahrhundert. An der schönen blauen Donau wurde hier neben vielen anderen Orten dirigiert.
Der Kursalon führt heute mehrmals wöchentlich Touristen-Konzertprogramme durch — Strauß- und Mozart-Repertoire, Orchester in historischen Kostümen, Abendessen-Optionen verfügbar. Das Classics-of-Austria-Konzert im Strauss-Saal schafft eine direkte Verbindung zum Strauß-Erbe an einem Ort, den er kannte. Die Akustik ist kleiner und wärmer als im Musikverein; das Programm ist spezifisch auf Strauß ausgerichtet.
Kontext: Der Touristenkonzertmarkt in Wien reicht vom Kursalon am zugänglichen Ende bis zum Musikverein am ernsthaften Ende. Für den Strauss-Pfad ist der Kursalon der historisch relevantere Ort, unabhängig von der relativen musikalischen Qualität.
Der Prater: der Volksprater und seine Tanzpavillons
Strauß I trat regelmäßig in den Tanzpavillons des Volkspraters — des Volksbereichs des Praters — auf, und Strauß II erbte diese Verbindung. Die spezifische Verbindung: das Dommayer-Casino in Hietzing (Auhofstraße 2, 13. Bezirk), wo Strauß II 1844 sein öffentliches Dirigierdebüt gab — im Alter von 19 Jahren, gegen den ausdrücklichen Wunsch seines Vaters. Der Vater wollte seinen Sohn vom Dirigieren fernhalten, um Konkurrenz zu vermeiden. Das Debüt war ein Erfolg, und die Konkurrenz begann.
Das Dommayer wurde im Zweiten Weltkrieg zerstört. Eine Tafel markiert den Standort an der Dommayergasse 1. Das Hietzinger Viertel ist wegen der Klimt-Villa und der Nähe zu Schönbrunn einen Besuch wert; die Dommayer-Tafel ist ein kleiner Umweg.
Die Hauptallee des Praters — die 4,5 km lange Kastanienallee — ist der öffentliche Freizeitraum, für den Strauß komponierte: Die in den Pavillons hier gespielten Tänze waren das Äquivalent der Popmusik des 19. Jahrhunderts, und der Walzer war das Format, das 50 Jahre lang dominierte.
Der Zentralfriedhof: das Grab und seine Nachbarn
Das Grab von Strauß II befindet sich auf dem Zentralfriedhof (Simmeringer Hauptstraße 234, 11. Bezirk), in der Abteilung 32A neben Beethoven, Brahms, Schubert und dem Ehrengrab für Mozart. Das Grab ist gepflegt, wird häufig besucht und hat oft frische Blumen. Der Kontrast mit dem Beethoven-Grab — ähnlicher schlichter weißer Marmor, unterschiedliche Register des kulturellen Gedächtnisses — ist der effizienteste Weg zu verstehen, wie Wien seine musikalische Vergangenheit kategorisiert.
Der Zentralfriedhof ist kostenlos zugänglich. Straßenbahn 11 oder 71 vom Ring zum Haupttor des Zentralfriedhofs (Tor 2). Die Musikergräber sind 10 Gehminuten vom Tor entfernt.
Das Neujahrskonzert und das lebendige Strauß-Erbe
Das Neujahrskonzert der Wiener Philharmoniker wird in über 90 Länder übertragen und von etwa 50 Millionen Menschen gesehen. Das Programm ist, mit kleinen Variationen, Strauß. An der schönen blauen Donau ist immer das vorletzte Stück; der Radetzkymarsch (Strauß I) ist immer die letzte Zugabe, mit vom Dirigenten geführtem Publikumsklatschen. Karten für das Konzert werden per Lotterie vergeben und sind praktisch unmöglich zu erhalten.
Für das nächste zugängliche Äquivalent: Das Musikverein-Konzert (Vier Jahreszeiten und Mozart) im Goldenen Saal bietet die Akustik, die das Neujahrskonzert nutzt. Spezifische Strauß-Konzertprogramme laufen das ganze Jahr über im Musikverein.
Was der Strauß-Pfad wirklich zeigt
Strauß durch Wien zu folgen enthüllt eine Stadt, die einen populären Unterhaltungskünstler innerhalb weniger Jahrzehnte nach seinem Tod zu einer Kulturinstitution gemacht hat. Der Walzer galt nicht als ernste Musik in der Weise, wie Brahms oder Wagner ernst waren — Strauß selbst war manchmal abwertend gegenüber seinem eigenen Werk. Die Entscheidung der Stadt, ihn mit der vergoldeten Stadtpark-Statue und dem Grab neben Beethoven zu ehren, stellt eine retrospektive Erhöhung dar, die er vielleicht amüsant gefunden hätte.
Was der Pfad bietet: den Stadtpark an einem Winternachmittag mit dem Denkmal für sich allein, den Kursalon, in dem die Musik tatsächlich in dem Raum gespielt wird, für den sie geschrieben wurde, den Zentralfriedhof, auf dem das ganze Musikjahrhundert innerhalb von 50 Metern liegt. Wien auf seine konzentrierteste Art.