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Wiener Kaffeehäuser: welches Café Sie wählen sollten und warum

Wiener Kaffeehäuser: welches Café Sie wählen sollten und warum

Vienna: Typical Austrian Food Tour with Coffee House Visit

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Welches Wiener Kaffeehaus sollte ich besuchen?

Café Central für das prachtvolle Habsburger-Ambiente und hervorragende Mehlspeisen; Landtmann für ruhigere, lokalere Atmosphäre; Hawelka für altwienisches Bohème-Flair; Sperl für unveränderte Interieurs aus den 1880ern; Demel für die beste Konditortheke.

Die Institution, die Wien definiert

Das Wiener Kaffeehaus ist einer der wenigen Orte der Welt, der gleichzeitig als Café, Bibliothek (mit Zeitungen), Geschäftsbesprechungsraum, Schreibstube und gesellschaftlicher Klub funktioniert — ohne Mitgliedschaft und mit dem Eintrittspreis einer Tasse Kaffee.

Seit 2011 erkennt die UNESCO die Wiener Kaffeehauskultur als immaterielles Kulturerbe der Menschheit an. Die Wiener selbst empfinden diese Anerkennung als leicht überflüssig — das Kaffeehaus war schon immer einfach da. Stefan Zweig schrieb: „Es ist ein demokratischer Klub, dessen Eintrittspreis eine Tasse Kaffee ist.” Wesentliches hat sich nicht verändert.

Dieser Führer stellt die wichtigsten Kaffeehäuser, ihre Charaktere und die korrekte Navigation durch die Kultur vor.

Was Sie wissen sollten

Die Grundregel

Sie dürfen bei einem einzigen Kaffee so lange sitzen bleiben, wie Sie möchten. Kein Druck, kein aufdringlicher Ober, keine subtilen Hinweise, dass Ihr Tisch benötigt wird. Das ist kein Fehler im österreichischen Service — es ist der gesamte Zweck. Das Kaffeehaus existiert dafür, dass Gäste ihre Zeit in Muße verbringen, ob 20 Minuten oder 3 Stunden.

In der Praxis: Sobald Ihre Bestellung gebracht wurde, überlässt man Sie sich selbst, bis Sie ein Zeichen geben. Automatisch wird ein kleines Glas Wasser mitgebracht, das ohne Nachfragen nachgefüllt wird.

Die Zeitungsständer

Traditionelle Kaffeehäuser halten Zeitungen auf langen Holzstäben bereit, aufgehängt an einem Ständer nahe dem Eingang. Wiener Blätter (Die Presse, Der Standard, Kurier), deutsche Zeitungen und oft auch eine englischsprachige Zeitung. Gäste nehmen eine Zeitung an ihren Tisch, lesen und bringen sie zurück. Das System funktioniert seit 350 Jahren.

Kaffee und Mehlspeisen

Das Kaffeehaus ist der natürliche Ort für die Wiener Mehlspeistradition — die Süßspeisen, die zum Kaffee gereicht werden. Ein Stück Sachertorte mit einem Melange, ein Stück Guglhupf mit einem Einspänner oder Kaiserschmarrn nach einem leichten Mittagessen sind die klassischen Kombinationen. Der Wien-Mehlspeisen-Führer erklärt die wichtigsten Optionen.

Für den vollständigen Überblick der Kaffeetypen — Melange, Einspänner, Großer Brauner, Mokka, Maria Theresia — den Leitfaden zu Wiener Kaffeetypen konsultieren.

Die wichtigsten Kaffeehäuser: Charakter und Stärken

Café Central

Adresse: Herrengasse 14, 1010 Wien Charakter: Prachtvolles Palais-Ambiente aus der Habsburgerzeit, Marmorsäulen, Gewölbedecken, Live-Klaviermusik (Mittag und Nachmittag). Das meistfotografierte Intérieur eines Wiener Cafés. Besucherstruktur: 70–80 % Touristen zu Stoßzeiten. Kürzere Schlangen an Wochentagen am Morgen. Speisequalität: Hoch — ausgezeichneter Apfelstrudel, gutes Gulasch, solide Sachertorte. Preisklasse: Gehobener Bereich (Melange 6–7 €, Sachertorte-Stück 8 €). Am besten für: Erstbesucher, die das volle visuelle Kaffeehauserlebnis möchten. Literarische Fußnote: Leon Trotzki und Sigmund Freud waren vor dem Ersten Weltkrieg Stammgäste. Die kartenspielnde Figur am Eingang soll dem österreichischen Dichter Peter Altenberg nachempfunden sein.

Café Landtmann

Adresse: Dr.-Karl-Lueger-Ring 4, 1010 Wien (an der Ringstraße, nahe dem Burgtheater) Charakter: Zurückhaltender als das Central — Mahagoni-Vertäfelung, ruhigere Atmosphäre, weniger theatralisch. Gilt als Freuds Lieblingskaffeehaus. Besucherstruktur: Mehr Wiener Profis und Politiker als Touristen. Verbunden mit dem Burgtheaterpublikum. Speisequalität: Hoch — ausgezeichnete Mittagskarte, gute Mehlspeisen, echtes Gulasch. Preisklasse: Mittel bis gehoben. Am besten für: Ruhige Alternative zum Central; ein ordentliches Mittagessen; Gäste, die Atmosphäre ohne viele Kameras bevorzugen.

Café Demel

Adresse: Kohlmarkt 14, 1010 Wien Charakter: Die aufwendigste Konditorei Wiens — vergoldete Vitrinen, Glaswände zur Küche, rotierende saisonale Gebäckkompositionen. Eher Konditorei als klassisches Kaffeehaus, aber mit umfangreichen Caféplätzen. Besucherstruktur: Gemischt aus Touristen und ernst zu nehmenden Mehlspeisenkäufern. Speisequalität: Herausragende Konditortheke — die vielfältigste und technisch versierteste in Wien. Rivalisiert mit dem Hotel Sacher bei der Sachertorte. Preisklasse: Hoch. Am besten für: Ernsthaftes Mehlspeisinteresse; die Eduard-Sacher-Torte (Demels Version); Schaufensterbummel am Kuchenzähler.

Café Hawelka

Adresse: Dorotheergasse 6, 1010 Wien Charakter: Das Bohème-Kaffeehaus. Dunkel, rauchig anmutend auch heute noch, seit den 1930ern unverändertes Dekor, berühmt für Künstler, Schriftsteller und die legendäre Besitzerin Josefine Hawelka, die abends Buchteln servierte. Besucherstruktur: Gemischt — literarische Touristen, Stammgäste seit 40 Jahren, jüngere Wiener. Speisequalität: Einfach — der Kaffee ist ausgezeichnet, die Buchteln berühmt (nur abends), die Speisekarte überschaubar. Preisklasse: Mittelklasse. Am besten für: Atmosphäre, Charakter und das echte Gefühl, wie Wiens Kaffeehauskultur vor der Renovierungswelle war. Nicht für Mehlspeisauswahl.

Café Sperl

Adresse: Gumpendorfer Straße 11, 1060 Wien (6. Bezirk) Charakter: Das Café, das die meisten Wiener nennen, wenn man nach dem „echten Ding” fragt. Seit seiner Eröffnung 1880 nahezu unverändert — blanke Holzböden, Billardtisch, Kartenspieler, Schachstammtisch. Keine Instagram-schöne Renovierung. Besucherstruktur: Zuerst Einheimische, dann eine wachsende Zahl gut recherchierter Besucher. Speisequalität: Solide — guter Guglhupf, zuverlässiger Kaffee. Preisklasse: Günstiger als die Kaffeehäuser in der Inneren Stadt. Am besten für: Das authentischste Kaffeehauserlebnis unter den bekannten Adressen. 15 Minuten Fußweg oder kurze Straßenbahnfahrt vom Zentrum.

Café Prückel

Adresse: Stubenring 24, 1010 Wien Charakter: 1950er-Jahre-Modernismus — ungewöhnlich in einer Stadt historistischer Interieurs. Abends gelegentlich Klavier und Kammermusik. Deutlich weniger Touristen als Central oder Demel. Besucherstruktur: Einheimische Stammgäste, Musikstudenten, Schachspieler. Speisequalität: Verlässlich, österreichische Kaffeehausküche ohne Schnörkel. Preisklasse: Mittelklasse. Am besten für: Gäste, die in der Inneren Stadt ein authentisches Erlebnis ohne die Touristenvolumina des Café Central suchen.

Café Mozart

Adresse: Albertinaplatz 2, 1010 Wien Charakter: Das tourismusorientierte Café direkt gegenüber dem Albertina-Museum. Vermarktet sich stark über den Namen Mozart. Weniger interessant als die anderen hier genannten Häuser — eher Café-Restaurant, weniger Kaffeehastradition. Am besten für: Bequemlichkeit nach dem Albertina-Besuch. Kein Ziel an sich.

Geführte Kaffeehauserlebnisse

Das Kaffeehauserlebnis gewinnt durch Kontext. Ein Guide, der die Sozialgeschichte, die Kaffeetypen und den richtigen Umgang mit der Institution erklären kann, bereichert ein Erlebnis, das sonst etwas verwirrend wirken könnte.

Die österreichische Speisen- und Kaffeehausführung beinhaltet einen ausgedehnten Besuch in einem traditionellen Kaffeehaus mit Erläuterungen zu Kaffeetypen, Mehlspeisen und der kulturellen Bedeutung der Institution.

Die Wien-Foodtour schließt einen Kaffeehausstopp als Teil eines breiteren kulinarischen Erlebnisses ein — nützlicher Kontrast zwischen Kaffeehaus und anderen Wiener Speisentraditionen.

Ehrliche Tipps

Besuchen Sie unter der Woche am Morgen. Café Central hat an Wochenenenvormittagen zur Hochsaison Schlangen von 20–45 Minuten. Dienstags um 8–9 Uhr ist ein völlig anderes und besseres Erlebnis.

Bestellen Sie nicht sofort auf Englisch. Auf Deutsch zu versuchen — „Einen Melange, bitte” — macht das Erlebnis wechselseitiger. Alle Ober in den großen Kaffeehäusern sprechen ausnahmslos Englisch.

Das Wasserglas ist kein Hinweis, zu gehen. Einige Gäste deuten das Wasser als versteckten Hinweis. Das ist es nicht — es gehört zum Service. Bleiben Sie so lange Sie möchten.

Das Café Sperl ist einen Umweg wert. Wenn Authentizität wichtiger ist als die Bequemlichkeit der Inneren Stadt, nehmen Sie den 15-minütigen Fußweg oder die U2 bis Museumsquartier und gehen Sie südwärts. Das Sperl ist das Kaffeehaus, das andere Kaffeehausführer empfehlen, wenn sie kompetent klingen wollen.

Abends im Kaffeehaus ist anders als morgens. Abends im Café Hawelka, wenn die Buchteln um 22 Uhr kommen und die Schachspieler noch an ihren Brettern sitzen, fühlt sich echt und abseits vom touristischen Wien des Tages an. Einen Besuch wert, wenn man mehr als 2 Nächte in Wien ist.

Häufig gestellte Fragen zu Wiener Kaffeehäusern

Wann entstanden die Wiener Kaffeehäuser?

Das erste dokumentierte Wiener Kaffeehaus öffnete 1683, nach dem Sieg über die osmanische Belagerung — der Überlieferung nach ließen die abziehenden osmanischen Truppen Kaffeesäcke zurück, was wohl apokryph ist. Sicherer ist, dass armenische Kaufleute im späten 17. Jahrhundert Kaffee nach Wien brachten, und das Kaffeehaus verbreitete sich rasch als Treffpunkt für Kaufleute, Intellektuelle und Journalisten.

Warum wird der Ober in einem Wiener Café „Herr Ober” genannt?

„Herr Ober” ist die traditionelle Anrede für einen männlichen Wiener Kaffeehausober. Kellnerinnen werden als „Frau Kellnerin” angesprochen. Die Titel implizieren eine gewisse Würde des Berufs — Wiener Café-Service gilt als Facharbeit, nicht als Studentenjob. Viele Wiener Kaffeehausober arbeiten jahrzehntelang im selben Haus.

Kann ich im Kaffeehaus mit WLAN meinen Laptop nutzen?

Ja — die meisten Kaffeehäuser haben WLAN, wenngleich die Geschwindigkeit variiert. Länger am Laptop zu arbeiten ist kulturell akzeptabel und historisch angemessen — Journalisten und Schriftsteller haben schon immer in Kaffeehäusern gearbeitet. Aus Höflichkeit sollte man etwa stündlich etwas bestellen.

Sind Kinder in Wiener Kaffeehäusern willkommen?

Ja. Kinder sind ganztags willkommen. Die üblichen europäischen Café-Normen gelten — aktive Kinder sollten beaufsichtigt und nicht frei herumlaufen gelassen werden. Die meisten Kaffeehäuser haben eine kleine Auswahl alkoholfreier Getränke und einfacher Speisen für Kinder.

Häufig gestellte Fragen zu Wiener Kaffeehäuser: welches Café Sie wählen sollten und warum

Warum sind Wiener Kaffeehäuser UNESCO-Erbe?

Die UNESCO hat die Wiener Kaffeehauskultur 2011 als immaterielles Kulturerbe der Menschheit anerkannt. Die Begründung: Das Kaffeehaus fungiert als 'zweites Wohnzimmer', in dem Gäste stundenlang bei einem einzigen Kaffee sitzen, Zeitungen auf Holzstäben lesen, Geschäfte abwickeln oder einfach beobachten können. Es ist eine gesellschaftliche Institution, kein bloßes Café.

Wie lange darf ich in einem Wiener Kaffeehaus bei einem Kaffee sitzen?

So lange Sie möchten. Das ist die Grundregel der Kaffeehauskultur — kein Druck, mehr zu bestellen oder zu gehen. Ein Wiener Kaffeehausober kommt nach der Bestellung nicht mehr von sich aus zum Tisch; Sie müssen ihn rufen. Das ist ein Merkmal, keine Unhöflichkeit.

Sind Wiener Kaffeehäuser teuer?

Im Vergleich zu gewöhnlichen Cafés ja. Ein Melange in einem historischen Kaffeehaus kostet 4,50–7 €. Ein Stück Sachertorte mit Kaffee kommt auf 14–19 €. Das sind Tischpreise für ein vollständiges Service-Erlebnis, keine Mitnahmepreise.

Welches Kaffeehaus hat die meisten Touristen?

Café Central hat die längsten Touristenschlangen und die meiste Instagram-Fotografie. Café Sacher ist das teuerste. Hawelka und Sperl sind trotz Bekanntheit wirklich lokalgeprägt. Café Prückel hat von den namhaften historischen Kaffeehäusern den geringsten Touristenanteil.

Servieren Wiener Kaffeehäuser auch Speisen jenseits von Mehlspeisen?

Ja. Die meisten historischen Kaffeehäuser bieten vollständige Mahlzeiten — Gulasch, Wiener Schnitzel, Tafelspitz und verschiedene warme Gerichte von Mittag bis spät abends. Café Central, Landtmann und Café Schwarzenberg haben umfangreiche Mittags- und Abendkarten.

Wie bestellt man richtig in einem Wiener Kaffeehaus?

Sie nennen dem Ober die genaue Bezeichnung. 'Ein Melange, bitte' für Milchkaffee. 'Einen Einspänner' für Espresso mit Schlagobers. 'Einen Kleinen Schwarzen' für kurzen Espresso. Ein Glas Wasser wird automatisch gebracht. Den vollständigen Kaffeekatalog finden Sie in unserem Leitfaden zu Wiener Kaffeetypen.

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