Skip to main content
Wien abseits der ausgetretenen Pfade: was man jenseits des Kaiserkreises sehen kann

Wien abseits der ausgetretenen Pfade: was man jenseits des Kaiserkreises sehen kann

Wiens Touristenkreis ist klar definiert: Schönbrunn, Hofburg, Belvedere, Stephansdom, Musikverein-Konzert. Das alles ist genuinen ausgezeichnet und wird genuinen von den meisten der 17 Millionen jährlichen Besucher besichtigt. Die folgenden Orte sind kein Geheimnis (in Wien ist nichts wirklich geheim), aber sie sind erheblich weniger überfüllt und in mehreren Fällen ungewöhnlicher als die Standardhighlights.

Der Zentralfriedhof: Wiens unterschätzteste Sehenswürdigkeit

Der Zentralfriedhof (11. Bezirk, Eingang Simmeringer Hauptstraße 234) ist der nach Fläche zweitgrößte Friedhof der Welt (2,5 km²) und enthält die Gräber von Beethoven, Brahms, Schubert, Johann Strauß II und Hugo Wolf. Er enthält auch ein nachgebildetes Grab von Mozart (er wurde in einem Massengrab auf dem St.-Marxer-Friedhof begraben, 20 Minuten per Straßenbahn von hier — der Zentralfriedhof hat einen Ehrengrabstein).

Die Musiker befinden sich alle in Gruppe 32A, in einem Ehrengarten in der Nähe des zweiten Tores. Der Friedhof beherbergt auch die Karl-Borromäus-Kirche — Max Hegeles außergewöhnliche Jugendstil/Sezessionskirche von 1908 im Zentrum des Friedhofs, eines der besten Jugendstilgebäude Wiens, bei Besuchern fast völlig unbekannt.

Straßenbahn 6 oder 71 ab Schwarzenbergplatz zum Zentralfriedhof (30 Minuten). Der Friedhof ist täglich geöffnet und kostenlos.

Otto Wagners Wien: die Stadt, die er baute

Otto Wagner (1841–1918) gestaltete Wiens öffentliche Architektur an der Wende zum 20. Jahrhundert neu. Seine Gebäude sind über die Stadt verteilt und vom Standardtouristenkreis fast vollständig übersehen.

Postsparkasse (Georg-Coch-Platz 2, 1. Bezirk) — das 1904–1912 erbaute Gebäude, das zu den Schlüsselgebäuden des europäischen Modernismus gehört. Die Glas-und-Stahl-Bankhalle ist während der Bankzeiten zugänglich (kostenlos). Die Fassade, mit Marmorplatten verkleidet, die mit sichtbaren Aluminiumbolzen befestigt sind, war 1904 skandalös und ist heute außergewöhnlich.

Stadtbahnstationen — Wagner entwarf die gesamte Wiener Stadtbahn-Infrastruktur (heute U-Bahn/Stadtbahn) von 1894 bis 1901. Die Jugendstil-Stationspavillons am Karlsplatz (die meistfotografierten, heute Museum — Otto-Wagner-Pavillon) und an der Kettenbrückengasse sind am besten erhalten. Man passiert Wagner-Architektur jedes Mal, wenn man die U4 oder U6 nimmt.

Kirche am Steinhof (Baumgartner Höhe 1, 14. Bezirk) — erbaut 1905–1907 als Kirche der Nervenheilanstalt am Steinhof. Das Intérieur (Koloman-Moser-Mosaike, Jugendstil-Glasfenster von Moser und Rudolf Jettmar) gehört zu den großen Innenräumen Wiens und ist Besuchern außerhalb der Architekturgemeinschaft fast völlig unbekannt. Führungen samstags; früh ankommen.

Hundertwasserhaus: umstritten und sehenswert

Das Hundertwasserhaus (Kegelgasse 36–38, 3. Bezirk) ist ein 1985 von Friedensreich Hundertwasser entworfenes Wohnhaus — Zwiebeltürme, unebene Böden, begrünte Terrassen, farbige Kacheln, keine geraden Linien. Die Wiener Stadtbehörden und der Architekt des Gebäudes waren über fast alles uneins, und die Bewohner des Gebäudes haben dem Vernehmen nach gemischte Gefühle, in einem Kunstobjekt zu wohnen.

Es ist nicht öffentlich zugänglich (dort leben Menschen), aber die Außenansicht ist von der Straße vollständig sichtbar und ist 20 Gehminuten vom Belvedere entfernt. Das Kunsthaus Wien (Untere Weißgerberstraße 13, 3. Bezirk), ebenfalls von Hundertwasser gestaltet, ist ein Museum mit seinen Gemälden und Architekturmodellen — für Besucher geöffnet.

Der 9. Bezirk: Freud, Schubert und die Universität

Der 9. Bezirk (Alsergrund) ist ein Viertel aus Wohnhäusern, Universitätsinstituten und Kaffeehäusern, das Besucher fast nie erreichen. Er enthält:

Sigmund Freud Museum Wien (Berggasse 19) — die Wohnung, in der Sigmund Freud von 1891 bis zur Flucht vor den Nationalsozialisten 1938 lebte und arbeitete. Das Sprechzimmermobiliar (die originale Couch befindet sich in London im Freud Museum Maresfield Gardens) ist nicht hier; aber die Räume sind es, und die Atmosphäre einer Berufsunterkunft aus der Jahrhundertwende ist bemerkenswert intakt. Eintritt 14 €.

Schuberts Geburtshaus (Nussdorfer Straße 54) — die Zweizimmerwohnung, in der Franz Schubert 1797 geboren wurde. Ein kleines Museum. Eintritt 5 €.

Allgemeines Krankenhaus Wien (Altes AKH, 9. Bezirk) — das ehemalige Allgemeine Krankenhaus (1784) ist nun der Universitätscampus, aber der Barockinnenhof-Komplex (der die erste Entbindungsstation der Welt und eines der ersten systematischen klinischen Ausbildungssysteme beherbergte) ist öffentlich zugänglich. 30 Minuten wert.

Nussdorf: Wiens Weinort in der Stadt

Nussdorf (19. Bezirk, Straßenbahn D vom Ring) ist eines von Wiens Heuriger-Dörfern — die Weinberge beginnen 20 Straßenbahnminuten vom Stephansdom entfernt. In Sommer und Herbst sind die Heurigen (Weinlokale) geöffnet, wenn der grüne Kiefernzweig über der Tür hängt, und servieren ihre Gutsausbauweine und Kältespeisen.

Heuriger Mayer am Pfarrplatz (Pfarrplatz 2) — ganzjährig geöffnet, größer als die meisten, ausgezeichneter Riesling aus eigenem Weingarten. Beethoven verbrachte hier 1817 einen Sommer und komponierte im Garten.

Heuriger Sirbu (Kahlenbergerstraße 210) — kleiner, familiengeführt, Terrasse mit Blick über die Donau, herausragender Grüner Veltliner aus dem Gutswein.

Der Spaziergang von der Nussdorfer Straßenbahnhaltestelle durch das Kahlenberger Viertel (den Weingartenpfaden folgend) zum Heurigen dauert 30–40 Minuten und ist der ansprechendste Fußweg, der per öffentlichen Verkehrsmitteln von der Wiener Innenstadt erreichbar ist.

Der Naschmarkt an einem Dienstag

Das wurde in anderen Zusammenhängen erwähnt, verdient aber eine eigene Anmerkung: Der Naschmarkt an einem Dienstag oder Mittwochmorgen (nicht samstags, nicht donnerstags, wenn der Morgenansturm das Angebot bereits geleert hat) ist ein echter Stadtteilmarkt, der so funktioniert, wie Wien seit zwei Jahrhunderten funktioniert. Die Fischstände (die Wachauer Lachsforelle, der Saibling, der Donauwels), die türkische Käseabteilung, die österreichischen Obst- und Gemüsestände, das griechische Olivenöl. Das alles ist in Wien nicht ungewöhnlich. All das ist im Kontext einer europäischen Hauptstadt ungewöhnlich.


Wiens Touristenkreis ist gut, weil die Standardsehenswürdigkeiten genuinen außergewöhnlich sind. Die obigen Orte sind gut, weil sie Wien vor den Postkarten sind. Mit dem 7-Tage-Reiseplan beginnen für das Fundament, dann alle verbleibenden Tage für den Zentralfriedhof und den Otto-Wagner-Rundgang nutzen.