Skip to main content
Spanische Hofreitschule: wie die Morgenarbeit wirklich ist

Spanische Hofreitschule: wie die Morgenarbeit wirklich ist

Bei drei Wienbesuchen habe ich versucht, die Morgenarbeit der Spanischen Hofreitschule zu besuchen. Beim ersten Besuch wusste ich nicht, dass es sie gibt. Beim zweiten kam ich an einem Samstag an, an dem eine Galavorstellung angesetzt war und die Morgenarbeit entfiel. Beim dritten — einem Donnerstag im November — war ich um 9:45 Uhr mit einem Ticket da, und der Winterreiterschule gehörte fast mir allein.

Dies ist ein Bericht über das, was ich vorfand, mit ehrlichen Vergleichen zur Galavorstellung (die ich am folgenden Tag besuchte).

Was die Morgenarbeit ist

Die Morgenarbeit ist die tägliche Trainingseinheit der Lipizzaner-Hengste der Spanischen Hofreitschule, an den meisten Wochentagen für Besucher zugänglich, wenn keine formelle Vorstellung angesetzt ist. Es ist keine Vorstellung. Es gibt keine Choreographie, kein formelles Musikprogramm, kein Publikumsprotokoll. Es sind Pferde und Reiter bei der Arbeit.

Was das in der Praxis bedeutet: Reiter in Arbeitsuniform (helle Reithosen, braune Röcke, nicht die zeremoniellen weißen und braunen der Vorstellungen) bewegen ihre Pferde durch Trainingsübungen auf verschiedenen Verfeinungsstufen. Manche Pferde sind jung und lernen noch; manche sind erfahrene Hengste, die die Schulen über der Erde (Levade, Kapriole) als Teil der täglichen Pflege ausführen, nicht für ein Publikum.

Die Winterreiterschule (1729 erbaut, von Fischer von Erlach dem Jüngeren) ist bei der Morgenarbeit dieselbe wie bei der Galavorstellung — weiße Wände, vergoldete kaiserliche Dekorationen, die Kaiserloge am östlichen Ende, die klassischen Friese. Sie hat 600 Jahre Reitgeschichte in ihren Wänden, und das ist von überall im Raum spürbar.

Praktische Informationen

Tickets: Wien: Spanische Hofreitschule 2-stündige Morgenarbeit — im Voraus buchen, besonders Oktober–Mai, wenn Vorstellungen und Übungen regelmäßig stattfinden. Preis: ca. 15–25 €.

Zeitplan: Morgenarbeiten laufen in der Regel dienstags bis samstags an vorstellungsfreien Morgen, von 10:00 Uhr bis etwa 12:00 Uhr. Die genauen Tage variieren; immer die offizielle Website der Spanischen Hofreitschule für den aktuellen Wochenplan konsultieren.

Nicht verfügbar: Juli und August — die Lipizzaner sind im Gestüt Piber in der Steiermark. Das gilt für Vorstellungen wie auch für Morgenarbeiten.

Was ich sah

Ich saß in der Galerie im ersten Stock über der Reitbahn — die richtige Position mit direktem Blick in die Reitfläche. Die Bahn unten hatte sechs Pferde in Arbeit, als ich ankam, mit Ausbildern in der Mitte, die Korrekturen gaben (Stimme und Geste, nicht dramatisch), und dem Oberbereiter, der von der Galerie am östlichen Ende aus beobachtete.

Die in diesen zwei Stunden sichtbaren Ausbildungsstufen:

  • Zwei junge Pferde (vielleicht vier oder fünf Jahre alt, noch im Aufbau der Grundarbeit) mit einfachen Trab- und Galoppübergängen
  • Drei Pferde in fortgeschrittener Arbeit — Passage (ein langsamerer, erhöhter Trab mit längerer Schwebephase), Piaffe (Trab auf der Stelle, der anspruchsvollste der klassischen Gangarten)
  • Ein Hengst, eindeutig Senior, der eine Levade ausführte (Stehen auf den Hinterbeinen in einem Winkel von 45 Grad) und was wie der Beginn der Kapriole war (der volle Sprung vom Boden mit dem Tritt nach hinten)

Der Kapriolenversuch — dreimal, einmal erfolgreich — ist das Bild, zu dem ich immer wieder zurückkehre. Das Pferd erhob sich aus der Levade-Position, sprang vorwärts und trieb in der Höhe des Sprungs die Hinterbeine waagrecht nach hinten. Es dauerte vielleicht zwei Sekunden. Es hat Jahre täglichen Trainings gebraucht, um diese zwei Sekunden zu erzeugen.

Morgenarbeit vs. Galavorstellung

Zum Vergleich besuchte ich die Lipizzaner-Galavorstellung am folgenden Tag (Samstag).

Die Galavorstellung ist schöner — die Zeremonialuniform, die formelle Musik (Barockwerke, gut ausgewählt), die Choreographie mehrerer gemeinsam bewegender Pferde, der Applaus des Publikums, die formelle Struktur. Es ist die Kunstform in ihrer fertigen und poliertesten Form.

Die Morgenarbeit zeigt, wie die Kunst gemacht wird. Die Korrekturen, die wiederholten Versuche, die schrittweise Verfeinerung — nichts davon ist in der Vorstellung sichtbar. Die geduldigen Stimmbefehle der Ausbilder, der kleine Widerstand des Pferdes und seine Anpassungen, die Beziehung zwischen Tier und Reiter, die über Jahre täglicher Praxis aufgebaut wurde — das ist die Morgenarbeit.

Es sind unterschiedliche Erfahrungen, die sich ergänzen. Müsste man eine wählen, wäre bei einem Erstbesuch die Galavorstellung zu empfehlen (sie liefert die vollständige Kunstform). Die Morgenarbeit empfiehlt sich für einen Wiederholungsbesuch oder für alle, die am Handwerk interessiert sind, nicht nur am Ergebnis.

Das Sommer-Schließungsproblem

Der häufigste Planungsfehler der Spanischen Hofreitschule: einen Wien-Besuch um den Vorstellungskalender herum zu planen und im Juli oder August anzukommen. Die Schule ist in beiden Monaten geschlossen. Die Sommerschließung ist absolut — keine Vorstellungen, keine Morgenarbeiten, nichts. Den Spielplan vor dem Buchen von Flügen prüfen.

Der Leitfaden Spanische Hofreitschule lohnenswert deckt das ehrliche Urteil zu beiden Formaten ab. Für die meisten Besucher gilt: Ja, es lohnt sich — in beiden Varianten.